CARONI 1988 15 YEARS OLD 43% VELIER – BLENDED TRINIDAD
Die Caroni-Brennerei soll 1918 gegründet worden sein, jedoch gibt es mehrere historische Hinweise, die darauf hindeuten, dass bereits früher im 20. Jahrhundert dort destilliert wurde. 1936 wurde sie Teil der Tate & Lyle-Firma, die sie als Basis für ihre umfangreichen Zuckeroperationen auf Trinidad nutzte. Caroni war ein wesentlicher Bestandteil der Rationen der britischen Marine, da der berühmte “Heavy”-Rum mit hohem Estergehalt zum charakteristischen Geschmack beitrug. Leider wurde Caroni nach dem Rückgang der Zuckerindustrie in Trinidad 1970 von Tate & Lyle verkauft, die 51 % der Anteile an die Regierung abtraten, bevor es 1975 vollständig verstaatlicht wurde. Trotz der Eigenproduktion von Melasse machte Caroni (1975) Ltd in den folgenden 25 Jahren weiterhin Verluste, bis die Regierung versuchte, ihre Beteiligung zu minimieren, indem sie 49 % der Anteile verkaufte, um die Kontrolle zu behalten. Angostura war der bevorzugte Käufer, aber ein Streit über den Wert des Lagerbestands von Caroni verhinderte den Deal, und die Brennerei wurde 2003 endgültig geschlossen.
Es gibt Caronis, die einen mit der Tür ins Haus fallen: Teer, Diesel, Werkstatt – und Schluss. Und dann gibt es jene seltenen Abfüllungen, die leiser sprechen, aber länger nachhallen. Der CARONI 1988 – 15 Years Old – Velier (Blended Trinidad, 43 %) gehört genau in diese zweite Kategorie: ein Caroni, der nicht „Full Proof“ schreit, sondern mit eleganter Handbremse fährt. Für viele Sammler ist das gerade der Reiz – ein historischer Caroni-Moment, der nicht nur brachial ist, sondern erstaunlich sippbar bleibt.
In der Nase beginnt er warm und einladend: weiches Karamell, Toffee, Vanille und eine Portion geröstetes Holz, als hätte man kurz den Deckel einer Zigarrenkiste geöffnet. Dann schiebt sich Caroni-typisch eine dunklere Linie darunter – ein Hauch Teer und leichtes Gummi, aber eher wie ein Schatten am Rand, nicht wie ein Fass Schlagring. Mit Zeit im Glas kommen Kakao, ein wenig Kaffeebohne, dazu eine trockene Würze, die an Muskat und etwas Pfeffer erinnert. Das Ganze wirkt „alt“ im besten Sinn: nicht müde, sondern abgerundet.
Am Gaumen zeigt sich die Stärke dieser Abfüllung: Sie baut Spannung ohne Krawall. Karamell und geröstete Nüsse treffen auf trockene Eiche, etwas Bitterschokolade und diesen feinen, industriellen Caroni-Fingerabdruck – zart teerig, minimal ölig, nie überdreht. Die 43 % tragen das Profil eher wie ein gut sitzender Mantel: genügend Struktur, ohne die Aromen zu zerdrücken. Wer langsam trinkt, entdeckt neben der Süße eine subtile herbe Orangenzeste und eine angenehm trockene, fast „tabakige“ Note.
Das Finish ist mittellang bis lang, sauber und erwachsen: Toast, Kakao, Eiche, dazu ein letzter, feiner Teerhauch, der erinnert, woher das Ganze kommt. Gerade als Sammlerflasche ist das spannend: Diese Abfüllung ist weniger „Monster“, mehr „Dokument“ – eine Velier-Caroni-Interpretation, die den Mythos nicht überzeichnet, sondern in einer ungewöhnlich zugänglichen Form konserviert.
- Brennerei: Caroni
- Alter: 15 Jahre
- Jahrgang: 1988
- Region: Trinidad (Trinidad & Tobago)
- Abfüller: Velier
- Abfüllungsjahr: 2008
- Fasstyp/FassNr.: Oak; „20 drums“
- Abfüllstärke: 43 % vol.
- Flaschengröße: 70 cl
- Produktionsmethode: Column Still; 4-column Gebr. Herrmann (mit Mash Column von Blair); tropische Reifung
- Anzahl der Flaschen
- Basis: Melasse
Limitierte Auflage



